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| Wie das Kultprogramm
"Quickbrowse" entstand Die Mär vom Schnellblätterer und seinem Herrn von Michael Lenz |
Es war einmal ein freischaffender Journalist. Nennen wir einfach Marc. Marc Fest, ein deutscher Junge aus dem westfälischen Münster, lebte im fernen Florida zusammen mit seinem Freund David. Marc erzählte gerne Geschichten, und noch lieber interviewte er spannende Menschen wie Gloria Estefan oder die Yahoo!-Gründer Jerry Chang und David Filo Tag für Tag surfte Marc endlose Stunden durch das Internet, immer auf der Suche nach interessanten, spannenden, aufregenden oder bizarren Storys, die er an die "Berliner Zeitung", "Die Zeit", den "Wiener Kurier" und viele andere Zeitungen in Deutschland liefern könnte. Schnell musste er sein, denn die Konkurrenz schlief nie. Hatten erst einmal die Agenturen Wind von einer Geschichte bekommen, war unser eifriger Reporter schnell weg vom Fenster, und ein weiterer Tag versank mit der Sonne Floridas im karibischen Meer, ohne dass Marc eines der kläglichen Zeilenhonorare verdient hätte. Am Anfang ging's einfach nur um Zeitsparen
Marc grübelte. Irgendwie sollte es doch möglich sein, schneller und effektiver die Webseiten von rund zwanzig US-amerikanischen regionalen und nationalen Zeitungen nach Geschichten zu durchsuchen. "Am besten wäre es", dachte sich Marc, "wenn ich diese Seiten nicht einzeln aufmachen müsste, sondern alle in einer Homepage zusammengefasst wären. Dann müsste ich die einfach nur noch runterscrollen." In diesem Augenblick, in dieser Sekunde wurde "Quickbrowse" geboren. Aber das wusste Marc nicht. Also recherchierte unser sonnengebräunter Held im World Wide Web nach einem Instrument, einer Software, die ihm seine tägliche Routinearbeit erleichtern und verkürzen sollte. So sehr er auch suchte und dabei in die entlegensten Winkel der Cyberwelt vorstieß, Quickbrowse fand er nicht. Marc war frustriert. Aber der 33-Jährige, der sich neben seinem Studium der Publizistik und der Philosophien an der FU Berlin die ersten journalistischen Sporen Ende der achtziger Jahre bei BILD, der TAZ sowie bei dem Stadtmagazin ZITTY verdient hat, dachte nicht daran, aufzugeben: "Dann schreibe ich mir ein solches Programm eben selbst", sagte er sich trotzig und erinnerte sich seiner Sprachkenntnisse, die neben Englisch und Französisch sowie Latein und Altgriechisch auch die Programmiersprache PERL umfassten. Und weil PERL es erforderlich machte, das neue Wunderprogramm auf einem Web-Server abzulegen, war Quickbrowse von Anfang jedermann zugänglich. Im Prinzip. Denn außer Marc und seinem Freund wusste ja zunächst niemand von dem raffinierten Schnellblätterer. Die gute Fee und der Cyber-Goldschatz
Das sollte sich aber schnell ändern. Marc ließ über Mailinglisten seine Journalistenkollegen freudig wissen, wie er dank des prächtig funktionierenden Programms seine täglichen gut 120 Rechercheminuten im Netz auf knapp 20 reduziert hatte. Die Kollegen surften flugs zu Quickbrowse, probierten neugierig die Erfindung des Kollegen und siehe da, auch sie sparten eine Menge Recherchezeit. Und da nun Journalisten immer auf der Suche nach neuen Geschichten sind, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die erste Zeitung über Quickbrowse berichten sollte. Es war die angesehene Tageszeitung "Bangkok Post" des weit entfernten Königreiches Thailand, in der Tony Waltham Marcs Baby dem grellen Licht der Weltöffentlichkeit aussetzte und http://www.quickbrowse.com/ am 1. März 1999 zur Webseite der Woche erklärte. Marc konnte es gar nicht fassen. Über 20 Berichte sind seitdem unter anderem in der "New York Post", der "Irish Times", dem "Christian Science Monitor" und anderen Blättern erschienen. Und alle lobten Quickbrowse. Eine gute Fee hatte Marc auf einen Weg geführt, der ihn zum großen Cyber-Goldschatz führen könnte. Aber das dämmerte dem Sprössling des im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg beheimateten Handelshauses Fest ("Kreativ, Flexibel, Dynamisch") erst, als die ersten Investoren anriefen, um sich einen Anteil des von Experten auf 33 Millionen Dollar geschätzten Business zu sichern. Die allermeisten entpuppten sich schnell als habgierige Räuber, die Marcs Baby für ein paar Silberlinge kaufen wollten, ohne es unter der Aufsicht seines Erzeugers langsam wachsen und reifen zu lassen. Vom Zauberer zum Musketier
Da erschien der Zauberer Andrew Tobias, ein Freund von David und Schatzmeister des "Democratic National Committee". Der Autor vieler Bücher, Ratgeber und Artikel über Wirtschaft, Geldanlage und Marketing versprach, seine Kenntnisse und Beziehungen in die Dienste von Quickbrowse zu stellen. Die "Drei Musketiere", wie sich David, Marc und Andy seither nennen, gründeten eine Firma, meldeten Quickbrowse zum Patent an, entwickelten das Programm weiter. Erste Investoren wurden gefunden - darunter Marcs Familie - und mit deren Geld kann Marc seine Erfindung, die eigentlich nie als Geschäftsidee gemeint war, in der ganzen Welt vermarkten und ganz furchtbar reich werden. David ist natürlich auch nicht untätig. Marcs Lebenspartner seit über sechs Jahren startet in wenigen Wochen den ersten schwulen landesweiten Kabelsender in den USA. Wie gut TV, Kabel und Internet zusammenpassen, das lehrt uns das Märchen von der jungen und unermesslich reichen Königin AOL, die den alten, aber ebenfalls immens reichen König Time-Warner heiratete und so zur globalen Medienhexe wurde. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann hat Marc Quickbrowse teuer verkauft, vielleicht an die globale Medienhexe, David ist der Ted Turner des globalen Homo-TV und beide leben zusammen mit Hund Looe, den Palmen Balmy und Palmy und endlich auch mit einer Putze noch heute glücklich, steinreich und furchtbar medienmächtig in ihrem Häuschen in South Beach, Florida. Suche im eurogay-Archiv nach
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