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 Quickbrowse-Erfinder Marc Fest
 Rasenmähen und Aufräumen hat keine Priorität
 im Gespräch mit eurogay-Redakteur Michael Lenz  
Mit seinem Programm "Quickbrowse" entwickelte der gebürtige Münsteraner Marc Fest quasi über Nacht eine geniale Möglichkeit, das Web schnell und effizient zu durchsuchen, ohne Dutzende von Seiten nacheinander aufrufen zu müssen. In den USA und anderen Ländern längst ein Renner, wartet "Quickbrowse" in Deutschland noch auf seinen grossen Durchbruch.

eurogay befragte Marc Fest im eMail-Interview über das Leben mit Freund David, seinen neu gewonnenen Reichtum und die Bedeutung von Hunden.

eurogay: Marc, Quickbrowse verändert sich fast täglich und es ist immer wieder spannend, reinzuschauen. Wann werden die neuen Kategorien wie Entertainment, Business oder Gay/Lesbian aktiv sein?

Marc Fest: Die Kategorien sollen ab der kommenden Woche verfügbar sein. Unter Gay/Lesbian wird man schnell und einfach die massgeblichen Gay Websites wie gay.com, planetout.com und andere absurfen können. Vielleicht auch eurogay. Für Vorschläge bin ich jederzeit offen.

eurogay: Wann wirst Du die erste Million mit Quickbrowse verdient haben?

Marc: Ach, darüber denke ich momentan noch gar nicht nach. Die Arbeit mit Quickbrowse nimmt mich voll und ganz in Anspruch. Gegen die Millionen hätte ich allerdings nichts. Die würden mir nämlich die Möglichkeit geben, mich in Zukunft ohne Zwänge an ähnliche Projekte wie Quickbrowse zu machen.

eurogay: Arbeitest Du noch als Journalist?

Marc: Nein. Nach Abschluss einer ersten Finanzierungsrunde, die 100.000 Dollar brachte, arbeite ich Fulltime an Quickbrowse. Das schulde ich natürlich den Investoren. Ausserdem macht es mir unheimlich viel Spass. Das Schreiben hat mir allerdings auch Freude gemacht, und manchmal vermisse ich es ein bisschen, Leute zu interviewen. Aber dafür werde ich jetzt ja ab und zu selber interviewt und das ist auch eine interessante Erfahrung.

eurogay: Wie ist das Gefühl, selbst Gegenstand journalistischer Neugier zu sein?

Marc: Aktiv anregen musste ich die Neugier von Journalisten auf Quickbrowse bisher nicht. Bei keiner der gut 20 Newsstorys über Quickbrowse hatte ich die Autoren oder Redaktionen zuvor persönlich oder durch Pressemitteilungen gebeten, über Quickbrowse zu schreiben. Quickbrowse hat sich in Journalistenkreisen durch Mund-zu-Mund-Propaganda rumgesprochen. Die Kollegen finden den Service besonders praktisch, daher wahrscheinlich die viele Presse :-). Es bringt mir, ehrlich gesagt, eine Menge Spass, interviewt zu werden. Mit den meisten Journalisten rede ich zum Schluss oft nicht mehr über Quickbrowse, sondern über unsere journalistischen Erfahrungen, wie wir Interviews machen, was uns an unserem Job gefällt und was nicht.

eurogay: Juckt es dich nicht in den Fingern, all die Storys selbst schreiben zu wollen?

Marc: Nein. Ich vertraue da ganz meinem Gegenüber. Allerdings sehe ich durchaus die jeweilige Story in ihrer "dramaturgischen" Struktur, so wie das ein Journalist eben tut. Quickbrowse ist ja eher zufällig entstanden, anfangs ohne die Absicht, ein Business aufziehen zu wollen. Manchmal denke ich, dass das eine ganz schöne Geschichte ist, über die auch ich geschrieben hätte, wäre sie mir über den Weg gelaufen.

eurogay: Erzähl doch mal über Deinen Freund, über den Du auf Deiner Homepage so gar nichts verrätst.

Marc: Er heisst David Sine und ist Amerikaner. David und ich sind seit sechs Jahren zusammen. Kennen gelernt haben wir uns in Key West. David stellt zurzeit zusammen mit vier Partnern Amerikas ersten schwulen landesweiten Kabelsender auf die Beine. Ich bin einer der Mitbegründer von C1TV, aber wegen Quickbrowse kann ich jetzt nur noch beratend tätig sein. Man kann eben nicht alles haben. Quickbrowse ist "mein" Baby, insofern war mir vom Herzen schon klar, wo ich für mich die Priorität setzen will.

eurogay: Lass Dir über euer Privatleben nicht alles aus der Nase ziehen: wie wohnt ihr? wer mäht den Rasen? Hund, Katze, sonstiges Getier? Wie oft in der Woche seid ihr im Sportstudio?

Marc: Wir haben ein eigenes, sehr kleines Haus mit einem sehr verwunschenem Garten in South Beach, nur ein paar Strassen vom Strand entfernt. Den Rasen mäht zurzeit keiner, auch mit dem Aufräumen warten wir, bis wir die Millionen haben :-). In Sportstudios gehen David und ich nicht (und damit sind wir unter unseren Bekannten und Freunden die Einzigen in unserer Altersgruppe). Aber wir beide laufen jeden zweiten Tag am Strand. Der Hund heisst Looe, so getauft nach einer "Key" Insel zwischen Miami und Key West. Und wer noch mehr Infos will, der soll einfach unter http://www.joy.net/family nachschauen. Da gibt es sogar Fotos.

eurogay: Warum bist Du nach Florida und nicht nach New York City oder Kalifornien gezogen?

Marc: Ich habe David eben in Key West kennen gelernt, und bin wegen ihm hier geblieben. Wir haben auch mal ein Jahr in New York gewohnt, wo ich zusammen mit Jörg von Uthmann einen Reiseband über den Big Apple geschrieben habe. Und dann sind wir zurück nach Florida. An Miami Beach gefällt mir vor allem die Übersichtlichkeit. Ich lebe hier wie auf einem Dorf. Man läuft ständig Freunden und Bekannten über den Weg. Ich kann überall mit dem Fahrrad hinfahren. Miami hat gleichzeitig den Besucher-Flux einer Millionen-Metropole. Aber ich würde mich auch freuen, im Sommer mal wieder zwei oder drei Monate in Berlin verbringen zu können. Am liebsten würde ich mir mein derzeitiges Leben zwischen New York City, Berlin und Miami Beach aufteilen.

eurogay: Marc, vielen Dank für das Interview.

 So entstand Quickbrowse | So funktioniert Quickbrowse


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Redaktion: Alexander Rösch
Letztes Update: 13. Januar 2000